Wissenschaftsjournalistische Berichterstattung

 

Themen vermitteln

Einbettung, Inszenierung und Begeisterung

Ein paar Meldungen über wissenschaftliche Kongresse und die Weitergabe von Informationen aus der PR-Abteilung der regional ansässigen Universität zeichnen noch keinen Wissenschaftsjournalismus aus. Und auch wer dauerhaft über Wissenschaft berichtet, ist deshalb noch kein Wissenschaftsjournalist. Hinzukommen müssen Begeisterung, Kenntnis der Materie und journalistischer Darstellungsmittel sowie Distanz gegenüber dem Spezialgebiet, in dem sich der Wissenschaftsjournalist beheimatet fühlt. Als Vermittler stellt er nicht allein sein Thema dar, er setzt es in Szene und stellt einen gesellschaftlichen Kontext her, in dem es relevant erscheint. Erst dann wird es ihm gelingen, eine große Leserschaft für seine Beiträge zu interessieren. Im Wissenschaftsjournalismus kommt daher auch der sprachlichen und bildlichen Aufbereitung von Meldungen besondere Bedeutung zu.

 

Darstellungsmethoden

Methoden der Darstellung im Wissenschaftsjournalismus

Auch der Wissenschaftsjournalismus kennt selbstverständlich die Kurznachricht, in der nur die wichtigsten Fakten zu einer mehrzeiligen Meldung geformt werden. Die ihm angemessenere Form der Berichterstattung aber ist die der Reportage, in der neben den Fakten auch dramaturgische Elemente eingebracht werden können. Immer häufiger gehen Wissenschaftsjournalisten auch zum sogenannten Storytelling über, nutzen sie erzählerische oder unterhaltsame Elemente für die Berichterstattung.

 

Einzelschicksale ersetzen Tagesaktualität

Aufgrund der fehlenden Tagesaktualität sind zudem Formen wie das Feature im Wissenschaftsjournalismus besonders beliebt. Hier werden allgemeine Erkenntnisse oder Forschungsergebnisse häufig in der Verbindung zu persönlichen Schicksalen dargestellt. Der Essay schließlich eignet sich hervorragend, um Informationen mit unterschiedlichen Meinungen, Bewertungen oder Auswirkungen zu verknüpfen.

 

Besondere Sorgfalt bei der Texterstellung und –bearbeitung

Besonderes Augenmerk kommt im Wissenschaftsjournalismus zudem der sprachlichen Ausgestaltung von Nachrichten und Berichten zu. Oder wie es Vicari formulierte: „Auffallend ist die besondere Sorgfalt, die den Texten geschenkt wird. Die Artikel werden nicht nur redigiert, sie werden poliert“ (2007, S. 98). Dies hängt sicher auch damit zusammen, dass Wissenschaftsjournalisten eine eigene zielgruppengerechte Sprache finden müssen, um die abstrakten und von Fachtermini durchsetzten Informationen, die sie recherchiert haben, darstellen zu können.

 

Besondere bildliche oder grafische Aufbereitung

Die Arbeit an der Sprache ist wesentlich für einen informativen und spannenden Wissenschaftsjournalismus. Doch viele Zusammenhänge lassen sich nicht ohne Hintergrundwissen oder Anschauungsmaterial verstehen. Daher kommt auch der bildlichen und der grafischen Aufbereitung von Informationen eine wesentliche Rolle zu. Zumal sich der Journalist bei der Abbildung von Grafiken und Diagrammen ganz auf die Fakten beschränken und die Interpretation des Zahlenmaterials seinen Lesern überlassen kann.

 

Zwischen Information und Sensation

Eine Eigenheit schließlich, die zu den Besonderheiten der Darstellung und Präsentation innerhalb des Wissenschaftsjournalismus gehört, ist, dass auch Nachrichten, die rein informativen Charakter tragen, auf ihren Sensationsgehalt hin abgeklopft werden müssen. Wollten die Leser von Wissenschaftsmagazinen nur Fakten präsentiert bekommen, so könnten sie sich auf das Lesen von Forschungsberichten beschränken. Was macht eine Nachricht interessant, attraktiv, was ist das Besondere, Sensationelle und wie lässt sich dies unterhaltsam darstellen? Wissenschaftsjournalismus erweist sich auch in diesem Bereich als Gratwanderung zwischen der Pflicht zur seriösen Berichterstattung und dem Wunsch des Lesers, begeistert, beteiligt oder unterhalten zu werden.

 

Wächter und Kritiker

Wissenschaftsjournalismus als Risikokommunikation und Meinungsbildner

Wissenschaftsjournalisten betrachten sich als Vermittler zwischen Wissenschaft und Gesellschaft, aber auch als Wächter und Kritiker. Entsprechend geben sie Informationen nicht einfach weiter, sie bewerten und kommentieren auch, geben ethische Urteile ab, diskutieren mit ihren Lesern oder geben diesen eine Plattform, um ihre Meinung zu äußern. Erdbeben, Klimaerwärmung, Epidemien, Unfälle in Kernkraftwerken … vieles, was gegenwärtig die Schlagzeilen bestimmt, lässt sich ohne entsprechendes Hintergrundwissen kaum einordnen. Sind Massenimpfungen gegen Grippe sinnvoll? Richten Genmanipulationen an Nahrungsmitteln großen Schaden an oder werden sie zukünftig dazu beitragen, den Hunger auf der Welt einzudämpfen? Was sind die Chancen und Risiken von Organtransplantationen? Ein Großteil dessen, worüber Wissenschaftsjournalisten berichten, lässt sich unter dem Stichwort der „Risikokommunikation“ zusammenfassen. Dabei handelt es sich um Themen, die in der Öffentlichkeit regelmäßig von starken, emotional aufgeladenen Debatten begleitet werden. Aufgabe des Wissenschaftsjournalisten ist es, Informationen auszuwählen, die eine Diskussion auf der Grundlage von Fakten ermöglichen. Die Darstellung muss daher in der Regel deutlich detaillierter und tiefer gehender sein, als dies im Nachrichtenwesen sonst der Fall ist. Zwar wird eine völlig neutrale und objektive Berichterstattung auch im Wissenschaftsjournalismus die Ausnahme darstellen. Bedeutend ist aber, dass sie Wissenschaftsjournalisten wie ihre Kollegen aus anderen Ressorts dem Pressekodex verpflichtet fühlen.

 

Vorläufiges Wissen

Über das Vorläufige mit Vorsicht berichten

Gerade mit dieser Schwierigkeit aber, dass sie häufig über Vorläufiges schreiben, haben Wissenschaftsjournalisten immer wieder zu kämpfen, nicht nur dann, wenn sie über medizinische Themen berichten. Daher gehört es zu ihren Aufgaben, das Vorläufige, Unabgeschlossene einer Meldung bzw. wissenschaftlichen Entwicklung auch zu kommunizieren. Doch nicht nur eine allzu sensationelle Darstellung soll im Wissenschaftsjournalismus unterbunden werden. Auch die Zahl der Falschmeldungen soll möglichst gering gehalten werden. Daher ist es üblich, dass besonders sensationelle Themen zunächst mit einer Nachrichtensperre belegt werden, um einen Wettlauf um die Erstveröffentlichung zu verhindern und den Redakteuren und Journalisten die Gelegenheit zu geben, die Nachricht gründlich zu überprüfen.

 

Überblick:

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