Grundlagen des Wissenschaftsjournalismus

Definition

Was ist Wissenschaftsjournalismus?

Der Begriff „Wissenschaftsjournalist“ kennzeichnet keinen Widerspruch zur allgemeinen Bezeichnung „Journalist“, sondern grenzt das Tätigkeitsfeld genauer ein. Wissenschaftsjournalisten sind also ebenso wie ihre Kollegen in allen Medien tätig. Sie befassen sich jedoch thematisch mit Schwerpunkten, die aus Wissenschaft und Forschung stammen.

Besonders häufig sind dies Entwicklungen im Bereich Medizin und Gesundheit, in der Biologie, Ökologie oder Biotechnologie sowie der Rüstungs- und Weltraumforschung.

Im Unterschied zu anderen Journalisten verfügen Wissenschaftsjournalisten günstigenfalls über eine Doppelqualifikation. Das heißt, sie haben sowohl einen fachlichen Schwerpunkt als auch Journalismus gelernt. Doch auch in diesem Bereich herrscht keine Einheitlichkeit vor. Besonders in den Anfangszeiten des Wissenschaftsjournalismus kam es häufiger vor, dass Wissenschaftler ohne journalistische Ausbildung als sogenannte Quereinsteiger zu Zeitschriften oder anderen Medien wechselten. Oder aber dass die „Allrounder“, also Journalisten ohne zusätzliche Fachausbildung, sich auf ein Gebiet spezialisierten.

Eine Abgrenzung des Wissenschaftsjournalismus gegenüber dem Special-Interest-Journalismus (SI-Journalismus) scheint ebenfalls notwendig. SI-Publikationen konzentrieren sich zwar auf ein Sachgebiet, gelten aber nicht als Fachpublikationen, die wissenschaftliche Erkenntnisse wiedergeben. In ihnen äußern sich Experten auf einem Fachgebiet, die über ein großes Spezialwissen verfügen, aber ein privates Interesse verfolgen – also beispielsweise Hobbygärtner oder Pilzesammler (vgl. Bröder, Sebastian: Podcast).

 

Aufgaben

Besondere Aufgaben und Methoden des Wissenschaftsjournalisten

Neben der Themenwahl weisen auch die Art der Recherche und der Wissensvermittlung von Wissenschaftsjournalisten spezielle Besonderheiten auf, was in den entsprechenden Abschnitten ebenfalls genauer erläutert wird. Und da der Wissenschaftsjournalist als eine Art Übersetzer verstanden werden kann, der aus einer Fachsprache in eine für Laien verständliche Sprache übersetzt, kommt speziell den journalistischen Darstellungsformen hohes Augenmerk zu. Welcher Methoden der Darstellung bedienen sich Wissenschaftsjournalisten, um ihre Zielgruppe zu begeistern, deren Neugier zu befriedigen und dennoch sach- und fachgerecht zu informieren? Und wie wirkt sich ihre Mittlertätigkeit auf die Meinungsbildung aus? Auch die Antworten auf diese Fragen sollen in diesem Beitrag skizziert werden.

 

Selbstverständnis

Der Wissenschaftsjournalist als Mittler und Wächter, als Übersetzer und Kritiker

Zum besonderen Selbstverständnis von Wissenschaftsjournalisten gehört es, dass sie sich als Vermittler von Faktenwissen und zugleich als Kritiker und Wächter gegenüber der Wissenschaft betrachten. Wobei sich diese Kritik selten generell gegen Wissenschaft als methodische Forschung richtet und sich stattdessen auf einzelne Methoden oder Bereiche beschränkt. Der Wissenschaftsjournalist sichert im Grunde die Kommunikation zwischen Forschung und Gesellschaft. Er stellt wissenschaftliche Studien und Ergebnisse in einer seiner Zielgruppe verständlichen Sprache dar, bewertet, analysiert, kritisiert oder kommentiert. Je nachdem, welche inhaltlichen und fachlichen Schwerpunkte er verfolgt, kann er zudem als Ratgeber gegenüber seiner Zielgruppe auftreten. Die Besonderheit des journalistischen Handelns von Wissenschaftsjournalisten besteht vor allem darin, dass sie die Themen, die sie für relevant halten, auswählen und zielgruppengerecht aufbereiten. Während es im allgemeinen Journalismus nicht üblich ist, beispielsweise die Äußerungen von Politikern oder Unternehmern zu erläutern, gleicht der Wissenschaftsjournalist einem Übersetzer, der ein Werk aus der Fachsprache in die Alltagssprache überträgt. Und er muss dabei ständig eine Gratwanderung meistern: Gelingt es ihm nicht, sein Thema verständlich aufzubereiten, läuft ihm die Zielgruppe davon. Verallgemeinert oder vereinfacht er zu stark, zieht er sich den Zorn der wissenschaftlich gebildeten Leserschaft zu, die nun ihm Inkompetenz unterstellt.

 

Relevanz

Warum Wissenschaftsjournalismus so wichtig ist

Zu den klassischen Ressorts der Medien, in denen Journalisten tätig sind, gehören die Bereiche Wirtschaft und Politik, Kultur und Sport. Die Wissenschaft wird allgemein als „verspätetes Ressort“ (Hömberg: 1990) bezeichnet, dem allerdings in den vergangenen Jahrzehnten wachsende Bedeutung zugekommen ist.

Dies betrifft alle Medien und alle Sparten. So senden die Fernseh- und Rundfunkanstalten Wissenssendungen für Kinder oder Erwachsene, die Tages- und Wochenzeitschriften versorgen ihre Leser mit Beilagen oder Kolumnen zu wissenschaftlichen Themen, oder es werden Wissenschaftsmagazine herausgegeben, die zumeist auf Teilgebiete spezialisiert sind. Während also manche Tageszeitung mit dem Überleben kämpft, nimmt die Zahl der wissenschaftsjournalistischen Publikationen – zumindest in Deutschland – zu. Und wo einstmals die Ressorts Wirtschaft, Sport, Politik oder Lokales um die Titelzeilen kämpften, übernahmen souverän die Nachrichtenmacher aus dem Ressort Wissenschaft. Ganz eindeutig ist eine Umgewichtung erfolgt, die sich zunächst aus den Besonderheiten der Themenwahl und deren Bedeutsamkeit für alle Lesergruppen erklären lässt.

Ohne Zweifel sind Politik und Wirtschaft nicht minder wichtig für das Verstehen der modernen Lebenswelt als wissenschaftliche Themen. Doch ergibt sich die Bedeutsamkeit des Wissenschaftsjournalismus aus dem Umstand, dass die wissenschaftliche Forschung und Entwicklung sich immer stärker mit dem Alltag aller Bevölkerungsgruppen verzahnt. Ernährung und Gesundheit, Lebensmittelproduktion, Landwirtschaft und Tierhaltung, Ökologie und Umweltschutz, wirtschaftliche und technologische Entwicklungen sowie politische Maßnahmen – all dies lässt sich nur verstehen und an all dem lässt sich nur mehr teilhaben, wenn die dahinterstehenden wissenschaftlichen Konzepte vermittelt und verstanden werden. Darüber hinaus zeigen viele Rezipienten aber auch von sich aus ein großes Interesse an wissenschaftlichen Themen; die einen sind fasziniert von Naturphänomenen oder neuen technologischen Entwicklungen; die anderen betrachten die Teilhabe am Kenntnisstand der Wissenschaft als unabdingbar, um sich innerhalb einer demokratischen und pluralistischen Gesellschaft zurechtzufinden. Fehlendes Wissen wird dagegen mit Inkompetenz gleichgesetzt.

Das große Interesse an wissenschaftlichen Themen wird weiter dadurch gestärkt, dass die Wissenschaft selbst in gewissem Maße Event-Charakter angenommen hat. Etwa wenn Forschungsergebnisse der Öffentlichkeit präsentiert oder Preisverleihungen vorgenommen werden; wenn technologische Fachmessen zum Massenevent werden oder Liveübertragungen aus dem Geburtssaal, vom OP-Tisch oder vom Startpunkt der neuen Raumsonde ausgestrahlt werden.

 

Überblick:

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