Besonderheiten der Recherche

 

Rechercheverständnis

Finder oder Erfinder von wahrem Wissen?

Wissenschaftsjournalisten bereiten die Informationen, die sie recherchiert oder erhalten haben, zielgruppengerecht auf. Dazu gehört auch das Auslassen von Informationen, die als nicht relevant betrachtet werden, das Reduzieren komplizierter Thesen und Zusammenhänge, die sprachliche Vereinfachung differenzierter Betrachtungsweisen. Diese Art der Bearbeitung bringt es zwangsläufig mit sich, dass Wissenschaftsjournalisten sehr sorgfältig arbeiten müssen, um nicht zu fehlerhaften oder falschen Aussagen zu gelangen. Galten Wissenschaftsjournalisten ursprünglich als reine Faktenvermittler, so werden sie gegenwärtig häufig als „Wissensmacher“ bezeichnet (vgl. Vicari: 2007). Die Bezeichnung verweist ebenfalls darauf, dass Wissenschaftsjournalisten auf der einen Seite als Bindeglied zwischen Wissenschaft und Gesellschaft fungieren, auf der anderen Seite aber an der Entstehung und Verbreitung von Wissen, das sie ihren Vorstellungen entsprechend ausgewählt und bearbeitet haben, beteiligt sind. Sie sind also gleichzeitig Wissensverbreiter und Wissensmacher.

Nicht Wahrheitsfindung ist das Ziel, sondern hochwertige und korrekte Darstellung. Dennoch widerstrebte es dem Selbstverständnis seriöser Wissenschaftsjournalisten, wissenschaftliche Wahrheiten zu erfinden. Stattdessen betrachten sie sich als Gestalter von Qualitätsjournalismus – im Gegensatz zum reinen „Meldungsjournalismus“. Damit sind sie sich ihrer Rolle und ihrer Verantwortung als Vermittler zwischen Wissenschaft und Gesellschaft in hohem Maße bewusst. Hinzu kommt, dass es weder in der Wissenschaft noch im Journalismus letztlich um das Finden oder Verbreiten von „Wahrheit“ geht. Was zählt, ist Kohärenz, Schlüssigkeit, ist das Funktionieren einer These, einer Erfindung, einer neuen Behandlungsweise. Wenn Wissenschaftsjournalisten also in besonderer Weise „Wissensmacher“ sind, dann vor allem, weil sie an den Schaltstellen sitzen, an denen Themenbereiche, die es in die mediale Darstellung schaffen, ausgewählt werden. Und weil sie mit ihrer Darstellungsform die öffentliche Wahrnehmung eines Wissenschaftsgebietes stark beeinflussen können.

 

Besonderheiten

Besonderheiten in der Recherche

Journalisten beziehen ihre Meldungen von Agenturen, recherchieren vor Ort oder befragen Beteiligte. Nicht anders verhält es sich bei Wissenschaftsjournalisten. Dennoch benötigen diese in der Regel zusätzliche/andere Quellen und Ressourcen für ihre Recherche. Ihre Informationen erhalten sie von Wissenschaftlern oder aus Datenbanken, von Nachrichtenagenturen und international anerkannten Fachzeitschriften, aus dem Internet oder Handbüchern, durch die Teilnahme an PR-Veranstaltungen, Kongressen oder Tagungen. Die Möglichkeiten zur Recherche sind vielfältig, doch erweist sich die Recherche selbst häufig als besonders kompliziert, da eine gründliche Einarbeitung in den wissenschaftlichen Forschungsstand erforderlich wäre. Daher müssen sich Wissenschaftsjournalisten ebenso intensiv mit der Frage befassen, wie sie Informationen und Nachrichten, die ihnen zur Verfügung gestellt werden, auf deren Richtigkeit überprüfen können.

 

Selektion

Informationen in Hülle und Fülle: Auf die Auswahl kommt es an

Eine weitere besondere Schwierigkeit der Recherche im Wissenschaftsjournalismus besteht häufig darin, dass wissenschaftliche Einrichtungen ebenso wie Unternehmen eigene PR-Abteilungen unterhalten, die Pressemeldungen bereits in ihrem Sinne aufbereiten und herausgeben. So werden die Wissenschaftsmagazine täglich mit einer unüberschaubaren Zahl an Meldungen überhäuft. Welche davon sind wichtig und wie lassen sich die enthaltenen Informationen überprüfen, wenn Recherchen vor Ort zu aufwendig oder nicht möglich sind? Welche Nachrichten sind relevant und sollten unbedingt vermittelt werden?

 

Überblick:

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Grundlagen des Wissenschaftsjournalismus

Themenfindung im Wissenschaftsjournalismus

Wissenschaftsjournalistische Berichterstattung

Ausblick: Was bringt die Zukunft?

 

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