Historie und Ausblick

Wirtschaftsjournalisten dürfen gewissermaßen als Geburtshelfer des modernen Pressewesens gelten. Denn als direkte Vorläufer der modernen Zeitungen gelten die sogenannten Kaufmannsbriefe, die im ausgehenden Mittelalter entstanden. Nun bildete sich in den Städten eine Schicht von wohlhabenden Kaufleuten die ihre Handelsgeschäfte über große Entfernungen hinweg abwickelten. Um die Marktlage richtig einschätzen zu können, brauchten die Händler natürlich zuverlässige und möglichst neutrale Informationen. Diese lieferten Dienstleister, welche die so genannten Kaufmannsbriefe erstellten und an einen festen Kreis von Abonnenten verschickten. Zu den bekanntesten Kaufmannsbriefen gehörten die Fuggerzeitungen. Dabei handelt es sich um handschriftliche Notizen von Angestellten, Agenten oder Freunden des Augsburger Handelshauses, die an Briefe angehängt wurden. Die Fuggerzeitungen haben einen Umfang von etwa 35.000 Seiten.

 

Wirtschaftsjournalisten werden professionell

Nachdem sich der Buchdruck in Europa etabliert hatte und den Druck von Zeitungen möglich machte, entstanden die so genannten Intelligenzblätter als Neue Medien. Dabei handelte es sich um Zeitungen, die vom Staat herausgegeben wurden. Neben amtlichen Bekanntmachungen enthielten sie auch eine Vorform der späteren Wirtschaftsnachrichten. Denn es erschienen auch Nachrichten über Gewerbe, Landwirtschaft, Wechselkurse und Handel. Diese Medien sorgten dafür, dass sich der Wirtschaftsjournalismus allmählich etablierte, wenngleich er nach wie vor eher ein Schattendasein fristete. So wollten regionale und überregionale Zeitungen während des 19. Jahrhunderts nicht mehr auf einen eigenen Wirtschaftsteil verzichten. Zwar lag der thematische Schwerpunkt nach wie vor bei Handelsthemen, doch auch allgemeine wirtschaftliche und wirtschaftspolitische Themen wurden in diesem Ressort behandelt.

 

Der Wirtschaftsteil erobert die breite Masse

Im letzten Drittel des 19. und vor allem zu Beginn des 20. Jahrhunderts gingen immer mehr Unternehmen dazu über, Aktien auszugeben, um ihre Produktion und das Wachstum des Unternehmens zu finanzieren. Auch breite Schichten des Bürgertums begannen nun, ihr Geld in Unternehmensbeteiligungen zu investieren. Dadurch wuchsen einerseits die Börsen, andererseits aber auch der Informationsbedarf über wirtschaftliche Themen. Die Anleger erwarteten nicht nur Nachrichten, sondern auch Analysen und Ratgeber rund ums Geld. Deshalb wurden zu Beginn des 20. Jahrhunderts die ersten Börsenzeitungen gegründet, was ein neues Betätigungsfeld für Wirtschaftsjournalisten bedeutete.

Die Tageszeitungen zogen mit und das Wirtschaftsressort wurde zu einem festen Bestandteil des Mediums. Um die hohe Nachfrage an Börseninformationen zu befriedigen, wurden außerdem die ersten Nachrichtenagenturen gegründet, die andere Medien mit Informationen versorgten. In den folgenden Jahrzehnten hat sich der Wirtschaftsjournalismus schließlich quer durch alle Massenmedien verbreitet.

Verbrauchernahe Themen aus der Wirtschaft wurden deshalb auch ein fester Bestandteil von Fernsehmagazinen und Zeitschriften. Verstärkt wurde dieser Trend in den 1990er Jahren, als auch vermehrt Kleinsparer dazu übergingen, an der Börse zu investieren. Nun wurden Begriffe wie Aktien, Dividende, Optionen oder Devisenhandel auch für kleine Anleger zu einem Thema. In den Medien müssen diese natürlich auch entsprechend aufbereitet werden.

 

Permanenter Wandel

Im Vergleich zu den Kollegen in den anderen Ressorts muss sich der Wirtschaftsjournalist schneller neuen Trends anpassen. In welche Richtungen diese gehen, richtet sich vor allem danach, wo die Anleger investieren wollen. So waren bis in die 1990er Jahre hinein in erster Linie konservative Anlageformen wie Immobilien, Bundesschatzbriefe und Spareinlagen gefragt. Das änderte sich im Laufe der 1990er Jahre gründlich. Der Börsengang der Telekom, als die Wertpapiere des einstigen Staatsunternehmens zu einer wahren Volksaktie wurden und später der Neue Markt sorgten für einen regelrechten Boom an den Börsen. Viele Anleger stürzten sich außerdem auf ausländische Börsen und den Devisenhandel. Wirtschaftsjournalisten mussten nun natürlich auch in diesem Bereich fit sein, um ihre Leser und Zuschauer kompetent informieren zu können.

Das führte dazu, dass sich die Wirtschaftsjournalisten in den Redaktionen zunehmend auf einzelne Teilbereiche ihres Ressorts spezialisierten. Denn allein die Börsen an allen wichtigen Finanzplätzen wie London, New York und Japan zu beobachten, würde einen einzelnen Journalisten überfordern. Einen weiteren Umbruch erlebte das Berufsbild des Wirtschaftsjournalisten im Zuge der Finanzkrise 2007. Ausgelöst wurde diese von faulen Immobilienkrediten in den USA, die in so komplizierte Finanzprodukte verpackt, dass sie nicht einmal von Experten verstanden wurden. Diese wurden weltweit verkauft, sodass aus einer regionalen Finanzkrise eine globale Wirtschaftskrise wurde. Auch die Wirtschaftsjournalisten waren von dieser Entwicklung und ihrem Tempo überfordert.

Nicht zuletzt diese Krise hat dazu geführt, dass der Beruf des Wirtschaftsjournalisten heute zahlreiche Facetten hat. Nach wie vor gibt es einige Generalisten, welche die großen wirtschaftlichen Zusammenhänge verfolgen. Daneben gibt es Wirtschaftsjournalisten, die sich auf die Berichterstattung über Unternehmen oder die Finanzmärkte konzentriert haben. Andere Kollegen wiederum verfolgen die Wirtschaftspolitik intensiv. Der Grund: Entscheidungen, die in Brüssel oder Washington gefällt werden, wirken sich im Zuge der Globalisierung immer mehr auf deutsche Unternehmen aus. Andere Wirtschaftsjournalisten wiederum bearbeiten wirtschaftliche Themen unter dem Aspekt, welche Auswirkungen sie auf die Verbraucher haben.

 

Ausblick

Seitdem es den Beruf des Wirtschaftsjournalisten gibt, hat sich sein Aufgabenfeld beständig gewandelt. Aus dem reinen Multiplikator von Nachrichten aus der Wirtschaft ist ein serviceorientierter Journalist geworden, der Entwicklungen auch kritisch hinterfragt, eine Nachricht mit Hintergrundinformationen unterlegt oder in Form eines Kommentars auch einmal seine Meinung zu einem Thema äußert.

Genauso wie das Aufgabenfeld ist auch die Medienlandschaft an sich einem stetigen Wandel unterworfen, wenngleich sich dieser langsamer vollzieht. Hier hat sich die jüngste Revolution in den 1990er Jahren mit der zunehmenden Nutzung des Internet vollzogen. Die sofortige, weltweite – und oft kostenlose – Verfügbarkeit von Informationen hat Zeitungen und Zeitschriften, die sich zu einem wesentlichen Teil durch Werbung finanzieren, zunächst schwer ins Schlingern gebracht. Zumindest, bis sie die Möglichkeiten, die das Internet für ihre Medien bot, entdeckten und nutzten.

Experten gehen davon aus, dass der Online-Sektor noch weiter wachsen werde. Denn aktuell fließt noch etwa fünfmal mehr Geld aus Werbeetats in Printmedien als in den Online-Bereich. Doch die Umsätze steigen in diesem Bereich rasant an, sodass sich im Netz ein attraktives Betätigungsfeld für Wirtschaftsjournalisten ergibt.

Das bedeutet allerdings auch eine weitere Spezialisierung des Wirtschaftsjournalisten, die sich schon seit einigen Jahren abzeichnet. Dadurch dürften sich auch neue Formen der Arbeitsorganisation in den Redaktionen ergeben, deren Entwicklung sich allerdings noch nicht abschätzen lässt.

 

Weitere Informationen:

Historie des Wirtschaftsjournalismus und Ausblick

Globalisierung als Thema

Aufgaben von Wirtschaftsjournalisten

Wirtschaftszeitungen, -zeitschriften und -Onlinemedien

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