Aufgaben

Wirtschaftsjournalistinnen und -journalisten sollen primär die Leser oder Zuschauer über Neuigkeiten aus der Welt der Wirtschaft informieren. Dazu gehört allerdings seit jeher mehr nur die bloße Aufzählung von Börsenkursen und Informationen über neue Produkte und sonstige Innovationen in den jeweiligen Unternehmen. Der Mediennutzer, der sich für das Thema interessiert, möchte darüber hinausgehende Hintergrundinformationen haben. Auch eine Analyse oder ein Ratgeber sind gefragt, wenn der Verbraucher eventuell Geld investieren möchte.

Dieser Serviceteil hat in den vergangenen Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen. Der Mediennutzer erwartet von einem guten Wirtschaftsjournalisten, dass er ihm die komplexen Zusammenhänge der Wirtschaft in klar verständlichem Deutsch darlegen und eine fundierte Analyse über das Potenzial und die Mögliche Entwicklung liefern kann. Das ist natürlich nur bis zu einem gewissen Grad möglich, weil sich viele Entscheidungen und Trends auf globaler Ebene auf eine einzelne Firma, einen an der Börse gelisteten Titel oder eine ganze Branche auswirken können. Das betrifft insbesondere wirtschaftspolitische Entscheidungen, die von der Europäischen Union in Brüssel gefällt und in allen Mitgliedsstaaten umgesetzt werden müssen. Ein Beispiel aus den vergangenen Jahren ist etwa die Deregulierung des Kommunikationsmarktes. Einstige Staatsbetriebe wie die Deutsche Telekom wurden privatisiert und verloren ihren Status als Monopolisten. Das hat zahlreichen jungen Kommunikationsunternehmen die Chance gegeben, sich Marktanteile zu sichern. Bei welchen Unternehmen sich der Einstieg auch wirklich lohnte, war für den Laien ohne die entsprechenden Hintergrundinformationen, die Wirtschaftsjournalisten aufbereiteten, kaum ersichtlich.

Kritische Beobachtung

Die Finanzkrise von 2007 hat nicht nur das globale Finanzsystem erschüttert und ganze Staaten ins Wanken gebracht, sondern auch den Wirtschaftsjournalismus und sein Selbstverständnis gründlich ins Wanken gebracht. Kritische Stimmen warfen sogar die Frage auf, ob Wirtschaftsjournalisten in ihrer Eigenschaft, einen kritischen Gegenpart der Wirtschaft und der Hochfinanz zu bilden, versagt zu haben. Von den verhängnisvollen Zusammenhängen, die sich im Rausch des großen Geldes und der schier grenzenlosen Finanzierung auf Kredit aufgebaut hatten, waren sowohl Finanzexperten als auch Wirtschaftsjournalisten gründlich überrascht worden. Allerdings hatten auch gesellschaftliche Einrichtungen wie Wirtschaftsverbände oder Aufsichtsbehörden die Warnsignale im Vorfeld nicht wahrgenommen oder wahrnehmen wollen.

Die Krise und ihre Folgen haben nicht zuletzt dazu geführt, dass sich der Wirtschaftsjournalismus mit mehr Facetten präsentiert. So haben sich einige Wirtschaftsjournalisten nunmehr darauf spezialisiert, Wirtschaftsthemen aus Sicht der Verbraucher unter die Lupe zu nehmen. Der Wirtschaftsteil der Medien wandelt sich dadurch zumindest in Teilbereichen in einen Serviceteil für den Mediennutzer.

 

Zusammenhänge erklären

Ein Aspekt, der sich aus der Finanzkrise ergeben hat, lautet: Selbst der mündige Verbraucher braucht eine gute Erklärung von Zusammenhängen, wenn er fundierte finanzielle Entscheidungen treffen will. Für den Laien ist es beispielsweise absolut nicht nachvollziehbar, warum elektronische Geräte wie Laptops oder Handys teurer werden, nachdem sich in China eine große Naturkatastrophe ereignet hat. Dass dort wichtige Rohstoffe für die Halbleiterindustrie wie seltene Erden gewonnen werden, ist dem Verbraucher nicht bekannt, oder er erschließt sich den Zusammenhang nicht, weil der Teuerungseffekt erst mit einer zeitlichen Verzögerung eintritt.

Um einiges komplexer sind die Zusammenhänge, wenn es um Gesetze wie etwa das Erneuerbare Energien Gesetz und die Energiewende hin zu regenerativen Energiequellen geht. Auch hier hat der Wirtschaftsjournalist eher die Rolle eines Übersetzers, der dem Verbraucher erklärt, warum dieses Gesetz ganz konkrete Auswirkungen auf ihn hat und wie er eventuell gegensteuern könnte.

 

Anlagetipps

Die Niedrigzinspolitik, welche die Europäische Zentralbank noch Jahre nach der Finanzkrise betrieb, gilt ebenfalls als eine ihrer direkten Folgen. Die Bestrebungen, frisches Geld in die Märkte zu pumpen, hat jedoch negative Auswirkungen auf die Anleger: Mit konservativen Anlageformen wie einem Festgeldkonto oder dem klassischen Sparbuch können sie schon von Glück reden, wenn sie überhaupt einen Zinssatz erreichen, der über der Inflationsrate liegt. Wirtschaftsjournalisten können im Rahmen von Anlagetipps alternative Anlagemöglichkeiten mit ihren Vor- und Nachteilen vorstellen oder bei konservativeren Anlageformen die einzelnen Anbieter und ihre Konditionen vergleichen. Dadurch sparen sie dem Verbraucher jede Menge Zeit und können den Nutzer enger an ihr Medium binden. Nicht umsonst haben Vergleichsportale im Internet, welche diesen Service anbieten, einen regen Zulauf.

 

Versicherungstests

Gleiches gilt auch für Versicherungen. Die verschiedenen Versicherungsunternehmen bieten ihre Policen zu höchst unterschiedlichen Konditionen an. Zusätzlich verkompliziert wird der Dschungel an Tarifen dadurch, dass vor allem bei Individualversicherungen zahlreiche Selbstbeteiligungs-Modelle angeboten werden, die sich auf die Höhe der monatlichen Beiträge auswirken.

Hilfe für den Verbraucher kann der Wirtschaftsjournalist auch geben, indem er erläutert, wer in welchem Fall überhaupt welche Versicherung braucht. Denn wirklich seriöse Quellen zur Information findet der Verbraucher kaum. Der Mitarbeiter der Versicherung hat primär ein Interesse daran, den Versicherungsvertrag zu verkaufen – ganz gleich, ob der Versicherte dadurch einen Vorteil genießt oder nicht. Allenfalls Verbraucherorganisationen wie beispielsweise der TÜV bieten ebenfalls Vergleichstests an.

 

Weitere Informationen:

Historie des Wirtschaftsjournalismus und Ausblick

Globalisierung als Thema

Aufgaben von Wirtschaftsjournalisten

Wirtschaftszeitungen, -zeitschriften und -Onlinemedien

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