Kompetenzen

Reisejournalisten müssen Voraussetzungen mitbringen, die über das übliche Maß im Journalismus hinausgehen, wenn sie erfolgreich tätig sein wollen. Dabei geht es nicht nur darum, dass der angehende Reisejournalist gern unterwegs ist, sich selbst als Tester verschiedener Einrichtungen und Angebote vorstellen kann und eine oder mehrere Fremdsprachen beherrscht.

So ist zum Beispiel das Interesse an theoretisch-abstrakten Tätigkeiten wichtig. Ein Journalist muss sein Vorgehen gründlich durchdenken, wenn er zum Beispiel Informationen beschaffen will oder wenn er bestimmte Sachverhalte recherchiert. Er muss bestimmte Sachverhalte erklären können und sich dabei nach gesellschaftlichen oder politischen Gesinnungen richten bzw. diese beachten. Informationen müssen kritisch erfasst und verarbeitet werden. Dies gilt für einen normalen Journalisten ebenso wie für einen Reisejournalisten. Letzterer muss bereits vor der Recherchereise zu Hause Informationen sammeln. Hier muss er theoretisch und abstrakt denken und vorgehen. Er muss Pläne aufstellen können und sich an diese halten, muss in der Lage sein, sich an zeitliche Vorgaben zu halten bzw. einen Zeitplan aufzustellen, der für die Berichterstellung relevant ist. Hierfür sollte der tatsächliche Zeitbedarf abgeschätzt werden können, was eine gewisse Portion Realismus und Erfahrung benötigt.

Ein Journalist und damit auch ein Reisejournalist muss aber auch kreativ-gestaltend tätig sein. Er muss in der Lage sein, mit seinem Text die Öffentlichkeit zu begeistern, muss seine Reportage auf eine bestimmte Zielgruppe zuschneiden und dafür sorgen, dass die verwendeten Worte die gezeigten Bilder unterstützen. Im Idealfall werden die Worte so gewählt, dass sie selbst Bilder in den Köpfen der Leser entstehen lassen. Insofern ist es wichtig, dass der Reisejournalist ein besonders hohes Maß an sprachlichem Feingefühl mitbringt. Er sollte seine eigenen Ideen umsetzen und einen Text stilsicher formulieren können. Werden Reportagen oder Berichte von zwei verschiedenen Auftraggebern zu einer Destination verlangt, so muss der Reisejournalist die einzelnen Berichte anpassen können. Er sollte nicht die gleichen Informationen verwenden und den Text neu verfassen. Das heißt für ihn aber auch, dass er sprachlich ein umfangreiches Wissen und Können aufweisen muss.

Der Reisejournalist muss in besonderem Maße eigenständig und diszipliniert arbeiten. Er muss überdies kritikfähig sein, denn es wird immer wieder Auftraggeber geben, die einen fertigen Bericht, eine Reportage oder einen Kommentar völlig verwerfen und neu verfasst bekommen wollen. Hier kann der Reisejournalist nicht einfach alles hinwerfen, denn damit würde er auch sein Honorar verlieren. Er ist für die Dauer eines Auftrags finanziell von diesem Kunden abhängig und muss versuchen, alles zu dessen Zufriedenheit zu erledigen. Hier liegt auch die Schwierigkeit dieses Berufs durch das bereits beschriebene „Hängen am Tropf“ der Reiseindustrie.

Wichtige Fähigkeiten für einen Reisejournalisten sind des Weiteren Durchhaltevermögen und Zielstrebigkeit, Sorgfalt, Kreativität, Kommunikationsfähigkeit und Lernbereitschaft. Besonders sei an dieser Stelle auf die Flexibilität hingewiesen. Auch ein normaler Journalist muss in höchstem Maße flexibel sein, denn auch von ihm wird verlangt, dass er sich auf unvorhergesehene Gegebenheiten einzustellen vermag. Er muss sofort abrufbar sein und an den Ort des Geschehens reisen. Ein Reisejournalist hat zwar in der Regel zu Hause ausreichend Zeit, sich auf eine Reise vorzubereiten, jedoch muss er sich hier in gewissem Maße den Wünschen der Kunden anpassen. Wenn diese verlangen, dass eben zur Regenzeit in das jeweilige Land gereist wird, hat der Reisejournalist meist keine Wahl, wenn er den Auftrag nicht verlieren möchte. Gleichzeitig sind persönliche Erfahrungen wichtig, das heißt, der Reisejournalist kann nicht einfach auf Erfahrungen anderer zurückgreifen und die Beschreibungen einfach umformulieren.

Hinzu kommt, dass ein Reisejournalist sehr kontaktbereit und kommunikativ sein muss. Es muss in der Lage sein, sich sprichwörtlich mit Händen und Füße zu verständigen, wenn er die Landessprache nicht spricht, die aber für eine Reise benötigt wird. Es ist ein Ding der Unmöglichkeit, sämtliche Sprachen perfekt zu beherrschen, daher wird es immer wieder vorkommen, dass der Reisejournalist einer Sprache eben nicht mächtig ist. Hier fließt zudem eine gewisse Selbstsicherheit mit ein. Der Reisejournalist muss sich nicht selten unvorhergesehenen Situationen stellen und kommt in der Regel mit Menschen in Kontakt, die er bislang nicht kannte. Er sollte dennoch offen auf diese zugehen und sollte seine natürliche Neugier nie verlieren. Neugier ist ohnehin eine Eigenschaft, die allen Journalisten zueigen sein sollte. Sie müssen Dinge hinterfragen und sollten nie aufhören, nach der Wahrheit und nach Informationen zu suchen. Auch Reisejournalisten müssen immer wieder nach Neuigkeiten suchen, sollten versuchen, auch bei bereits umfassend beschriebenen Destinationen neue Entdeckungen zu machen.

Fazit: Der Reisejournalist muss noch mehr als der normale Journalist ein Allroundtalent sein, muss kommunikativ, neugierig, offen, selbstbewusst und zum abstrakten Denken in der Lage sein. Hinzu kommt, dass er das schreiberische Handwerkszeug erlernen muss, er muss die Unterschiede zwischen einzelnen Arten der Publikation kennen und im Detail beachten.

 

Weitere Informationen:

Darstellungsformen im Reisejournalismus

Themenfelder im Reise-Ressort

Spezifika der Recherche

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