Entwicklung des Radiojournalismus

Während sich in Printmedien zu Beginn des 20. Jahrhunderts bereits Standards für die Art der Berichterstattung etabliert hatten, steckte der Radiojournalismus in jenen Jahren noch in den Kinderschuhen. Zunächst mussten nämlich erst einmal die technischen Voraussetzungen geschaffen werden, um überhaupt Radiojournalismus anbieten zu können. Die Geschichte des Hörfunks hängt also sehr eng mit der Entwicklung der drahtlosen Telegrafie und des Telefons sowie den Fortschritten, die Physiker in den Bereichen Magnetismus und Elektrizität erzielen konnten, zusammen. Schließlich geht es im Radiojournalismus nicht nur um den Empfang der jeweiligen Sendungen, sondern auch um deren Aufnahme und deren Übertragung.

Eine Grundvoraussetzung war deshalb zunächst einmal die Erfindung des Radios als Empfangsgerät im ausgehenden 19. Jahrhundert, die auf der Erfindung des Telefons durch Alexander Graham Bell anno 1876 aufbaute. Für die Übertragung von Gesprächen via Telefon war jedoch noch ein Draht notwendig, eine weitere Voraussetzung für die drahtlose Übertragung von Rundfunksendungen war also erst möglich, nachdem Heinrich Hertz anno 1886 die elektromagnetischen Wellen entdeckt hatte. Darauf aufbauend gelang es dem italienischen Forscher Guglielmo Marconi 1897 erstmals, drahtlos telegrafische Nachrichten zu übermitteln – zunächst jedoch nur über äußerst kurze Distanzen. Die Übertragung über den Atlantik gelang erstmals 1901. Einen Meilenstein für diesen Quantensprung stellte unter anderem die Erfindung des Röhrensenders dar.

Nikola Tesla hatte sämtliche technischen Grundlagen für den Rundfunk Ende des 19. Jahrhunderts entwickelt und diese auch patentieren lassen. Weil ein Feuer im Jahre 1895 seine Anlage vernichtete, gilt jedoch vielfach Guglielmo Marconi als Erfinder des Radios. Die neuartige Technologie wurde allerdings erstmals von Alexander Popow an der St. Petersburger Universität am 7. Mai 1895 präsentiert. Dabei gelang es ihm, zwei Wörter an eine Empfangsstation zu übermitteln, die in einer Entfernung von 250 Metern aufgestellt war.

Während des Ersten Weltkrieges fanden die ersten Experimente mit Röhrensendern sowie Rückkopplungs-Empfängern statt, bei welchen Musik übertragen werden konnte. In den USA wurden bereits 1915 Pläne zur Übertragung von Hörfunksendungen gefasst, die allerdings zunächst zurückgestellt wurden. Die erste bekannte Radiosendung wurde stattdessen vom niederländischen Fabrikanten Hanso Schotanus Steringa Idzerda am 6. November 1919 aus dessen privater Wohnung gesendet. Bis 1924 sendete er sein Programm, das sich großer Beliebtheit erfreute, wöchentlich an vier Tagen, er musste jedoch mangels ausreichender Finanzierung aufgeben.

Die erste kommerzielle Radiostation nahm den regelmäßigen Betrieb am 6. November 1919 in Pittsburgh auf. Verantwortlich dafür war der ehemalige Marineoffizier Frank Conrad, der für die Telegraphenfirma Westphal arbeitete. Nachdem sein Arbeitgeber Radiogeräte zur Verfügung stellte, welche auch von Laien bedient werden konnten, weitete er den Sendebetrieb aus. Ein Highlight stellte die Übertragung der Ergebnisse bei der Präsidentschaftswahl am 2. November 1920 dar, welche die Ausstrahlung eines allabendlichen Programms bedeutete. Ab jetzt gingen auch weitere Sender in den USA an den Start. Die deutsche Reichspost strahlte über den Sender Königswusterhausen am 22. Dezember 1920 ihre erste Rundfunkübertragung aus, es handelte sich dabei übrigens um ein Weihnachtskonzert.

Der sogenannte „Funkerspruch“ trug entscheidend zur weiteren Entwicklung des Mediums Radio bei: Revolutionäre Arbeiter hatten am 9. November 1918 nach dem Vorbild Russlands die Zentrale des deutschen Pressenachrichtenwesens besetzt und irrtümlicherweise verkündet, dass die radikale Revolution, bestehend aus Spartakusbund, KPD und USPD, den Sieg errungen habe. Daraufhin wurde die Kontrolle über den Hörfunk durch die SPD-geführte Regierung verschärft.

Der erste reguläre und gebührenpflichtige Rundfunk wurde mit dem Wirtschaftsrundspruchdienst ab 1922 betrieben. Der erste Radioclub wurde – ebenso wie der Verband der Rundfunkindustrie – am 6. April 1923 in Berlin gegründet. Als Geburtstag des Rundfunks in Deutschland gilt allerdings der 29. Oktober 1923, als erstmals eine Unterhaltungssendung ausgestrahlt wurde. Die ersten Sendernetze wurden schließlich 1924 durch das Reichspostministerium eingerichtet.

Den großen Durchbruch erlebte der Deutsche Rundfunk schließlich während des Zweiten Weltkrieges. Als großes Vorbild für guten Radiojournalismus galt in den 1930er Jahren die britische BBC, die weltweit für ihre gute und ausgewogene Berichterstattung bekannt war. Dass sich der Rundfunk in Deutschland immer größerer Beliebtheit erfreute, ist der Einführung des sogenannten Volksempfängers zu verdanken, der von den Nationalsozialisten – wie alle Massenmedien – in erster Linie als Propaganda-Instrument genutzt wurde. Während des Krieges war es den Deutschen sogar verboten, die sogenannten „Feindsender“ zu hören. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Produktion von Radiosendungen schließlich von den Siegermächten übernommen.

 

Die Welt des Rundfunks und des Radiojournalismus verändert sich

Erste massive Veränderungen im Senderbetrieb ereigneten sich zwischen den 1960er und 1980er Jahren. So startete die ARD etwa am 21. Oktober 1961 ein spezielles Programm für die italienischen Gastarbeiter. Knapp drei Monate später nahm der Deutschlandfunk den Sendebetrieb auf, der auf Mittel- und Langwelle nahezu europaweit empfangen werden konnte. Mitte der 1980er Jahre endete allerdings das staatliche Monopol und die ersten privaten Radiosender konnten ihren Betrieb aufnehmen. Damit startete in Westdeutschland das sogenannte duale Rundfunksystem. Während beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk, der größtenteils über Gebühren finanziert wird, nach wie vor der Informationsauftrag im Vordergrund steht, zielen private Rundfunksender in erster Linie auf Gewinnerzielung für ihre Investoren ab. Das hat angehenden Radiojournalisten natürlich ebenfalls neue Chancen eröffnet, weil sich auch die Art der Berichterstattung unterscheidet: Während die Berichte in öffentlich-rechtlichen Sendern größtenteils einen nachrichtenartigen Charakter haben, ist bei privaten Radiosendern eher ein reportagehafter Stil oder Live-Berichterstattung gefragt.

 

Überblick

Berufsbilder im Radiojournalismus

Wege in den Radiojournalismus

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