Medienkanäle im Crossmedia-Journalismus

 

Bi – und trimedial: Zwei und drei Medienverknüpfungen

Crossmediale, aus dem Onlinejournalismus stammende und sonstige Konzepte kommen heute überall im Journalismus zum Einsatz. Der Nutzer wird über mehrere redaktionell verknüpfte Kanäle geführt und auf einen Rückkanal verwiesen. Sind drei Kanäle miteinander verknüpft, wird von Trimedialität gesprochen. Multimedialität entsteht durch digitale Inhalte. Gemeinsames Merkmal: Alle Konzepte werden interaktiv genutzt.

Vor allem im Onlinejournalismus gehört das crossmediale Arbeiten zum Alltag. Viele Redakteure haben ein Schwerpunktmedium, von dem aus anderen Medien zugearbeitet wird. Beispiele: Ein Zeitungsschreiber kürzt seine Print-Beiträge und aktualisiert sie für das Internet. Oder ein Onlineredakteur, der für den Internet-Auftritt eines Rundunksenders verantwortlich ist, kümmert sich zusätzlich um eine Radio-Computersendung. Er verfasst außerdem Kurzmeldungen für die SMS-Übermittlung auf Mobiltelefone. Solche Arbeiten werden bi- oder trimedial genannt.

Unterschiedliche Plattformen oder Ausspielkanäle sind in die Arbeitsabläufe von crossmedial aufgestellten Redaktionen eingebunden – beispielsweise ist es meistens nötig, das Internet oder die mobile Kommunikation vor Drucklegung des Printobjektes zu berücksichtigen.

Heute arbeiten Crossmedia-Journalisten meistens an einem zentralen Newsdesk – dort wird entschieden, welche Themen vorliegen und wann sie für die einzelnen Medien aufbereitet werden. Eine Datenbank dient als Speicherplatz für Texte, Fotos, Ton- und Videoaufnahmen in Rohform. Von dort aus erfolgt ihre Bearbeitung für die unterschiedlichen Plattformen.
Crossmedia im Marketing besteht aus koordinierten Maßnahmen im Rahmen der Kommunikationspolitik. Die Gestaltung der Werbebotschaft wird so angelegt, dass Kunden und Endverbraucher diese über verschiedene Medien beziehen können. Alle Medienkanäle sind durch eine gleichlautende Botschaft miteinander verknüpft.

Die Technik sorgt dafür, dass dieselben Inhalte über mehrere Kanäle vertrieben werden können. Die technische Annäherung der klassischen Medien Presse, Hörfunk und Fernsehen sowie des Web- und Mobilfunks macht es möglich. Hinzu kommen enge Verknüpfungen in wirtschaftlicher und funktioneller Hinsicht.

 

Printmedien: Das gedruckte Wort und Bild

Journalisten, die erfolgreich mit Crossmedia arbeiten wollen, müssen die einzelnen Medienkanäle sowie ihre spezifischen Vor- und Nachteile kennen. Denn wenn ein Thema auf verschiedenen Kanälen publiziert werden soll, bedeutet das eine sorgfältige Aufbereitung für das jeweilige Medium. Denselben Qualitätsanspruch, den der Leser an einen Text stellt, hat auch der Betrachter eines Videos. Für den Journalisten bedeutet das: Er muss sein Handwerk auf allen Kanälen beherrschen und vor allem das technische Know-how für die Umsetzung mitbringen.

Der Bereich der Printmedien umfasst Zeitungen und Zeitschriften. Der große Vorteil dieser Medien besteht darin, dass sie überallhin mitgenommen und gelesen werden können, ohne dass der Nutzer ein Gerät oder einen Stromanschluss benötigen. Ihren großen Vorteil der Aktualität haben insbesondere Tageszeitungen nicht nur durch das Internet, sondern auch durch Fernsehen und Hörfunk verloren. Diesen scheinbaren Makel können Tageszeitungen aber dadurch ausgleichen, dass sie mehr als nur die bloße Nachricht präsentieren. Hintergründige Berichterstattung gilt ohnehin als Domäne von Zeitschriften und Magazinen, die deshalb auch ein sehr hohes Renommee genießen.

Der offensichtlichste Nachteil für den Nutzer besteht darin, dass er durch die Printmedien ein relativ hohes Müllaufkommen hat. Will er in einer älteren Ausgabe gezielt nach einem bestimmten Bericht suchen, muss der Nutzer außerdem relativ aufwändig suchen, weil er ein Inhaltsverzeichnis allenfalls in den einzelnen Ausgaben eines Magazins findet. Der größte Nachteil für den Journalisten besteht darin, dass er relativ strikt in dem Schema journalistischer Normen arbeiten muss. Ein Bericht muss sachlich und neutral verfasst sein, persönliche Eindrücke oder Meinungen sind strikt untersagt. Das kann er lediglich dadurch umgehen, indem er beispielsweise einen Kommentar neben einen Bericht setzt. Ein weiterer Nachteil, der sich aus den technischen Rahmenbedingungen ergeben kann: Ein Thema kann bereits bei der Erscheinung bereits veraltet sein, weil sich während der Herstellung ein komplett neuer Aspekt ergeben hat.

 

Hörfunk/Radio: Das gesprochene Wort

Über Jahrzehnte hinweg galt der Hörfunk als das schnellste Medium. Diesen Status hat das Medium zwar an das Internet verloren, dafür profitiert es wie kein Zweites von der technologischen Entwicklung. Denn für den Empfang über ein Radiogerät benötigt der Sender eine terrestrische Lizenz. Das Internet-Radio ist eine beliebte Alternative, um Radiostationen aus aller Welt zu empfangen. Die Hörer können also auch Programme hören, die sie über das Radio gar nicht oder nur in einer sehr begrenzten Region empfangen können. Nach wie vor gilt der Hörfunk als das Medium, an das sich die Hörer emotional am stärksten binden. Das liegt unter anderem daran, dass der Schwerpunkt der meisten Sender auf einem musikalischen Programm liegt. Der Hörfunk bietet zudem Raum für Randgruppenformate wie Hörspiele, die häufig im Nachtprogramm laufen.

Beim Hörfunk handelt es sich um ein typisches Hintergrundmedium, das nebenbei läuft. Der Hörer kann nebenbei andere Tätigkeiten erledigen und sich mit Familienmitgliedern, Freunden oder Gästen unterhalten, während das Radio im Hintergrund läuft. Dafür bietet das Radio – bis auf wenige Spezialsender – relativ wenig Raum für journalistische Inhalte und Formate. Das liegt auch daran, dass die Informationen nur gehört, also vom Gehirn schlechter aufgenommen und verarbeitet werden.

 

Fernsehen: Das bewegte Bild

Ab den 1950er Jahren galt das Fernsehen als ein sogenanntes Leitmedium, dessen Themen die öffentliche Diskussion bestimmten. Und kein anderes Medium war so umstritten, weil viele Nutzer ihren Tagesablauf rund um das Fernsehprogramm strukturierten, übertriebener Konsum wirkte sich außerdem negativ auf die Kommunikation innerhalb der eigenen Familie aus. Dies gilt ebenso als Nachteil des Mediums wie die Tatsache, dass die Freizeitgestaltung bei hohem Fernsehkonsum ausschließlich passiv verläuft. Hinzu kommt ein negativer Einfluss vor allem auf junge Menschen durch die Darstellung von Gewalt. Zwar versuchen die Sender diesem entgegen zu wirken, indem sie die Sendungen auf altersgemäße Sendezeiten verlegen. In der Praxis bringt das allerdings nicht allzu viel, weil in den meisten Familien jedes Mitglied mittlerweile sein eigenes Gerät besitzt. Den Fernsehkonsum beschränken können also allenfalls die Eltern, die jedoch in sozialen Problemfamilien durch exzessiven Fernsehkonsum selbst mit einem schlechten Beispiel vorangehen.

Dem gegenüber steht jedoch eine ganze Reihe von Vorteilen. Gerade wenn es um journalistische Inhalte geht, sind die Informationsmöglichkeiten vielfältiger. Weil das Hauptaugenmerk in der Produktion auf Bildern legt, kommen die Informationen eindringlicher beim Nutzer an. Bei Dokumentationen lassen sich beispielsweise auch komplexe Themen mit den passenden Bildern anschaulich gestalten. Darüber hinaus sind Live-Übertragungen möglich, sodass der Zuschauer das Gefühl hat, einem Ereignis direkt beizuwohnen.

 

Internet: Journalismus im Netz

Den Rang als schnellstes Medium hat das Internet dem Hörfunk fast spielende abgelaufen. Denn sobald eine Nachricht oder Meldung gepostet ist, ist sie sofort weltweit abrufbar. Darüber hinaus bietet es eine Plattform für zahlreiche weitere Dienste wie E-Mail, Telefonie, Fernsehen und Hörfunk. Es ist also eigentlich weit mehr als ein Medium, sondern bietet anderen Medien die Infrastruktur für die Publikation von Nachrichten.

Die Geschwindigkeit ist das größte Plus, welche das Internet seinen Benutzern gibt. Denn die Informationen sind konkurrenzlos schnell verfügbar. Weil es sich um ein weltweites Netzwerk von miteinander verbundenen Rechnern und Servern handelt, gilt außerdem ein Ausfall als unmöglich oder zumindest extrem unwahrscheinlich. Sofern der User effektive Suchstrategien anwenden kann, findet er außerdem zahlreiche Informationen zu jedem beliebigen Thema. Zudem bietet das Internet die Möglichkeit, sich anonym zu bewegen und mit einer großen Masse an Menschen Informationen auszutauschen. Der Arabische Frühling, der den Sturz von Diktatoren und zu einer breiten Demokratiebewegung im arabischen Raum geführt hat, wäre ohne die Möglichkeiten des Internets nicht möglich gewesen.

Zu den Nachteilen des Internets gehört neben einer Sicherheitsproblematik bezüglich der eigenen Daten auch die oft mangelhafte Qualität von Informationen. Denn jeder kann ungeprüft auch Informationen einstellen, die von dubiosen Quellen stammen. Auch die Gefahr der Cyber-Kriminalität bei einem allzu sorglosen Umgang mit den eigenen, persönlichen Daten ist nicht zu unterschätzen. Beispielsweise können Hacker mit einem relativ geringen Aufwand Kontodaten ausspähen und das Konto leer räumen. Und schließlich kann das Internet nur mit einem gewissen technischen Grundverständnis und den entsprechenden Geräten genutzt werden.

 

Social Media: Facebook, Twitter & Co.

Unter Social Media versteht man digitale Medien, die von der Aktivität der Nutzer leben. Als bekannteste Social Media Plattformen gelten Twitter und Facebook, die sich von einer Spielwiese jugendlicher Technikfreaks zu modernen Massenmedien entwickelt haben. Der größte Vorteil von Social Media Plattformen besteht darin, dass Menschen weltweit direkt miteinander kommunizieren können und sich Informationen sehr rasch verbreiten können. Zudem zeichnen sich die Plattformen durch ihre Möglichkeiten zur Multimedialität aus. Videos lassen sich ebenso leicht einbinden wie Audiotracks. Hinzu kommt durch den leichten Zugang und die fast intuitive Bedienung ein hohes Maß an Benutzerfreundlichkeit.

Der größte Vorteil von Social Media kann aber sehr schnell in einen Nachteil umschlagen. So können einige missliebige Kommentare ausreichen, um eine Diskussion aus dem Ruder laufen zu lassen, was zu einem regelrechten Shitstorm entfachen kann. Für den Journalisten und das Medium, das Social Media als Element seiner Crossmedia-Berichterstattung nutzt, kann dadurch sehr schnell ein Imageschaden entstehen. Auch können die eigenen Posts von Selbstdarstellern als Plattform genutzt werden, welche die Diskussion in eine unerwünschte Richtung lenken. Der Urheber des eigentlichen Posts hat kaum Möglichkeiten, dagegen anzusteuern, ohne den Imageschaden noch weiter zu vergrößern.

 

Kombinationen

Print-Web-Social Media: Gedruckt, im Netz und geteilt

Der Webauftritt mit einer eigenen Homepage ist für Verlagshäuser, die im Geschäft mit Printmedien aktiv sind, Pflicht. Bei der eigenen Homepage handelt es sich in erster Linie um ein Imageprojekt, das genutzt wird, um das eigene Haus und die einzelnen Titel vorzustellen. Verlage, die Magazine in ihrem Programm haben, können einen Schritt weitergehen und auf der Homepage gleich eine Vorschau auf die nächsten Titel geben, eventuell mit einigen kurzen Textanrissen, um den Leser neugierig auf die nächsten Ausgaben zu machen. Diese Vorschau macht für Tageszeitungen keinen Sinn, weil ihre Redaktionen ja in erster Linie auf das Tagesgeschehen im öffentlichen Leben reagieren. Dagegen bieten sie gern die Printausgabe zusätzlich als E-Paper an, die ebenfalls abonniert werden kann. Dieser Service wird beispielsweise von Studenten und Arbeitnehmern gern genutzt, die auswärts studieren oder arbeiten und sich über die Geschehnisse in der Heimat informieren wollen. Anzeigenblätter, die kostenlos verteilt werden, gehen sogar noch einen Schritt weiter und stellen die Printausgabe nach der Erscheinung direkt als E-Paper ins Netz.

Social Media ist für viele Redaktionen außerdem ein unverzichtbarer Bestandteil des Crossmedia-Konzepts. Die Journalisten posten beispielsweise die Topmeldungen des nächsten Tages, schreiben einen kurzen Teasertext und weisen auf den Volltext in der nächsten Ausgabe hin. Bereits erschienene Artikel werden gern in voller Länge gepostet. Die verantwortlichen Journalisten erhalten dadurch ein direktes Feedback von den Lesern und können direkt mit ihnen kommunizieren.

 

Hörfunk-Web-Social Media: Senden, publizieren und liken

Der Hörfunk dürfte in der Reihe der etablierten Medien am meisten von crossmedialer Arbeit profitieren. Denn die reguläre Reichweite der Radiosender hängt davon ab, für welches Sendegebiet die terrestrische Lizenz gilt. Sofern sie einen Livestream auf der Homepage einbinden und Internetradio anbieten, können auch Hörer außerhalb des eigenen Sendegebietes das Programm empfangen.

Die Sender können die eigene Homepage außerdem für einen umfangreichen Serviceteil nutzen, der im Rahmen des regulären Programmes nicht möglich wäre. Verlosungsaktionen beispielsweise können auf der Webseite wesentlich attraktiver gestaltet werden als es im Radio an sich möglich ist. Hier lässt sich allenfalls eine telefonische Verlosungsaktion von Konzertkarten oder ähnlichem organisieren. Weil nur wenige Hörer die Chance haben, beim Anruf an die Hotline tatsächlich zum Zug zu kommen, sorgt das unter Umständen für Frust.

Die Homepage wird von Sendern, die intensives Crossmedia betreiben, allerdings noch sehr viel intensiver genutzt. So erfahren die Hörer, welcher Titel gerade aktuell zu hören ist oder sie erfahren Wissenswertes zu den Hintergründen, wie der Song entstanden ist oder zum Interpreten. Auch das Redaktionsteam wird auf der Homepage gern vorgestellt. Dadurch erfahren die Hörer, welches Gesicht sich hinter der Stimme am Mikrofon verbirgt.

Social Media bietet dem Hörfunk eine sinnvolle Ergänzung zur Crossmedia-Berichterstattung. Jeden einzelnen Song, der gerade läuft, zu posten, bringt selbstverständlich nicht den gewünschten Effekt. Stattdessen sollte die Redaktion bestimmte Highlights über die sozialen Netzwerke verbreiten. Dazu gehört beispielsweise der Besuch eines Stars in der Redaktion, der mit Fotos untermalt publik gemacht werden kann.

 

Fernsehen-Web-Social Media: Vom Bildschirm ins Netz und dann zu Facebook

Dass Fernsehsender eine Homepage mit einem umfangreichen Service- und Informationsteil anbieten, ist mittlerweile eine Selbstverständlichkeit. Die Zuschauer können sich auf der Webseite direkt über das aktuelle Programm informieren, ohne lange in einer Fernsehzeitschrift blättern zu müssen. Darüber hinaus finden die Seitenbesucher zahlreiche Informationen zu den einzelnen Serien und Sendungen. Beispielsweise kann ein Thema, das in den Nachrichten kurz behandelt wurde, auf der Homepage umfangreicher dargestellt werden, sodass sich der Zuschauer umfassend informieren kann.

Für die Fernsehsender selbst bieten die Social Media Plattformen auf den ersten Blick nur ein relativ geringes Potenzial. Dieses lässt sich erst dann völlig ausreizen, wenn die prominenten Gesichter des Senders diese intensiv nutzen. Sie können Twitter, Facebook und Co. dazu nutzen, um wichtige Infos direkt an die Fans weiterzugeben und mit diesen in Kontakt zu treten. Durch die Möglichkeit, dass Postings geteilt werden können, erreichen sie außerdem ein Vielfaches der Menschen, die sie direkt erreichen könnten. Weil die interessierten Fans freiwillig als Multiplikatoren auftreten, indem sie die Inhalte teilen, bekommen die Moderatoren sowie Schauspieler und somit auch die Sender einen völlig kostenlosen Werbeeffekt.

 

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