Kulturjournalismus

Der Kulturteil bzw. das Feuilleton einer Tageszeitung zählt zu den fünf klassischen Sparten neben Politik, Wirtschaft, Sport und dem Lokalteil.

Als Kulturjournalismus wird eine Unterform des Journalismus bezeichnet, die sich vorwiegend an kulturell interessierte Leser, Hörer und Zuschauer wendet. Kulturjournalisten verbreiten Nachrichten und schreiben Kritiken, interviewen und porträtieren Künstler, kommentieren Trends und regionale Besonderheiten im kulturellen Milieu sowie globale kulturelle Entwicklungen. Zu den Themen der Berichterstattung im Kulturjournalismus gehören Literatur, Theater, Ballett, Film, Musik, Bildende Kunst, Architektur, Einflüsse der „Subkultur“ und Medienkritik.

Verbreitete Darstellungsformen sind neben Nachrichten und Rezensionen auch Essays und Reportagen.

Thematische Vielfalt, Streitlust und gesellschaftspolitische Debatten haben hierzulande Tradition im Feuilleton. Experten sehen darin ein Spezifikum des deutschen Kulturjournalismus und eine Art Alleinstellungsmerkmal im Journalismus überhaupt, der sich generell der Objektivität verschrieben hat. Dennoch gibt es natürlich eine sogenannte linksliberale und eine sogenannte konservative Presse, deren Themenauswahl auch von der politischen Richtung bestimmt wird, zu der sich das jeweilige Objekt rechnet.

Gleich welcher Couleur: Der deutsche Kulturjournalismus unterscheidet sich durch seine Anstöße zu Debatten entscheidend von den Kulturteilen der ausländischen Tagespresse. Ob Holocaust, deutsche Einheit, Martins Walsers umstrittene Friedenspreis-Rede oder Auslandseinsätze deutscher Soldaten – damit setzte das deutsche Feuilleton Maßstäbe und wurde zum Vorbild anderer kulturpolitischer Publikationen.

Doch nicht nur diese Themen prägen das Feuilleton. Es gibt nach wie vor spezielle Ressorts für Musik, Theater, Film, Kunst und Literatur. Fernsehkritiken, Nachrichten, und Features über die Entwicklungen in den Print- und Bildmedien ergänzen die Berichterstattung im Kulturjournalismus. Starke Aufmerksamkeit erlangen auch Bücher, die wohlwollend im Feuilleton rezensiert werden. Dank dieser Tradition erreichten Literaturkritiker hierzulande vereinzelt eine große Popularität und Medienpräsenz, wie sie andere Kulturjournalisten voraussichtlich nicht erleben. Im Bereich der Buchkritik treten zudem die Rundfunksender hervor – sie leisten mit dem Vorlesen von literarischen Werken einen wesentlichen Beitrag, um die Hörer an die Literatur heranzuführen. Die Auswahl publikumswirksamer Bücher fällt ebenfalls in die Verantwortung von Kulturjournalisten.

Wer sich bemüht, den aktuellen Kulturjournalismus in Deutschland zu analysieren, könnte zu dem Ergebnis kommen, dass das Feuilleton weitaus mehr bietet als reine Kulturberichterstattung. Es leistet eine weitere relevante Arbeit, indem es gewissermaßen die Weltmeinung vermittelt – beispielsweise in Bereichen wie Afghanistan-Einsatz, Überalterung der Gesellschaft, Reform der Sozialsysteme oder Klimawandel. Anfang unseres jungen Jahrhunderts stürzte die deutsche Zeitungsbranche in eine wirtschaftliche Krise. Diese riss das Feuilleton mit, es speckte sichtlich ab, wurde vielerorts auf eine magere Seite eingedampft. Zeitgleich entstanden zahlreiche neue Hochglanzmagazine, die sich an klar zu definierende Zielgruppen wendeten und lieber über Lifestyle berichteten als Meinungen zu verbreiten.

 

Mehr Informationen:

Entwicklungen: Ein Rückblick, eine Gegenwartsverortung und Zukunftsaussichten im Kulturjournalismus

Kultur als Berichterstattungsgegenstand: Worüber schreiben Kulturjournalistinnen und -journalisten?

Berufsaussichten: Welche Chancen habe ich?

Voraussetzungen: Was muss ich mitbringen, um Kulturjournalist/in zu werden?

Vor- und Nachteile: Nüchtern betrachtet, was sind die Sonnen- und Schattenseiten?

Der Arbeitsprozess: Was genau macht man als Kulturjournalist/in?

Last but not least: Kulturjournalismus als Onlinejournalismus. Was bringt das „neue“ Medium?