Wo arbeiten Fotojournalisten?

Der Fotojournalismus spielt in nahezu allen journalistischen Ressorts eine wesentliche Rolle, wobei jedes Ressort seine besonderen Eigenheiten hat. Vor allem in kleinen Redaktionen nehmen beispielsweise auch die freien und festen Mitarbeiter die Aufgabe eines Fotojournalisten wahr.

 

Der Fotojournalismus im Lokaljournalismus

Im Lokaljournalismus ist von Fotojournalisten ein Höchstmaß an Flexibilität gefordert, weil sie eine große Vielfalt von Themen bearbeiten müssen, beispielsweise Portraits von Politikern und örtlichen Wirtschaftsgrößen, Verkehrsunfälle, sportliche Ereignisse, Feste, kulturelle Events oder Veranstaltungen von Vereinen. Bildreportagen sind im Lokaljournalismus allerdings eher eine Ausnahme, da üblicherweise lediglich Einzelbilder veröffentlicht werden. Für viele Fotojournalisten stellt aber der Lokaljournalismus den Einstieg in den Beruf dar.

Fest angestellte Fotoreporter sind im Lokaljournalismus mittlerweile jedoch zur großen Ausnahme geworden. Lediglich große Lokalredaktionen leisten sich noch einen eigenen Fotojournalisten. Die Redaktionen arbeiten stattdessen mit honorarfreien Fotos, den Bildern freier Mitarbeiter oder die Redakteure machen ihre Fotos selbst, wenn sie bei einem Termin sind. Zwar ist die Zahl der Bilder, die in der Tagespresse abgedruckt werden, in den vergangenen Jahren erheblich gestiegen, jedoch sind die Honorare je Bild massiv gesunken. Fotojournalisten, die sich auf den Einsatz im Lokaljournalismus spezialisiert haben, können mittlerweile also deutlich schlechter von ihren Einkünften leben, als dies in der Vergangenheit möglich war.

 

Sportfotografie

Ein wesentliches Kennzeichen der Sportfotografie besteht darin, dass sie stark von den aktuellen technischen Möglichkeiten geprägt ist. So war die Sportfotografie erst ab dem Beginn des 20. Jahrhunderts möglich, weil die Kameras mittlerweile eine ausreichend kurze Verschlusszeit hatten, damit schnelle Bewegungen festgehalten werden konnten. Heute arbeiten Sportfotografen beispielsweise mit Teleobjektiven, die äußerst aufwendig konstruiert sind und auch ein entsprechendes Gewicht aufweisen. Das gewünschte Ergebnis lässt sich allerdings nur erzielen, wenn die Kamera zugleich über einen sehr lichtempfindlichen Sensor verfügt.

Durch die Digitalfotografie hat sich die Sportfotografie wesentlich gewandelt: Weil leistungsstarke Kamerasysteme zu relativ günstigen Preisen verfügbar sind, versuchen sich auch Amateure zunehmend als Sportfotografen, was dazu geführt hat, dass der Markt für Sportfotos heute äußerst umkämpft ist. Und auch die Arbeitsweise hat sich geändert: Sehr oft bearbeiten Sportfotografen ihre Bilder noch vor Ort und schicken sie direkt an die Redaktion, weil nunmehr eben keine Filme mehr entwickelt werden müssen.

 

Krisen- und Kriegsfotografie

Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts hinein kannte die Öffentlichkeit Kriege – sofern sie nicht selbst davon betroffen war – lediglich aus der Historienmalerei, in der gern verherrlichend dargestellt wurde. Die Kriegsfotografie, die erstmals im mexikanisch- amerikanischen Krieg, der von 1846 bis 1848 dauerte, aufkam, hat das Bild von Kriegen in der Öffentlichkeit hingegen gründlich gewandelt, weil die Folgen des Krieges für Soldaten und Zivilbevölkerung hier sehr viel besser veranschaulicht werden.

Allerdings können Fotojournalisten nicht völlig uneingeschränkt arbeiten, weil die kriegsführenden Parteien in aller Regel kein Interesse daran haben, dass eine ungefilterte Berichterstattung aus den jeweiligen Kampfgebieten stattfindet. Das Spektrum dieser Einschränkungen reicht dabei von richtig gehender Zensur bis hin zum sogenannten Embedded Journalism, also eingebetteten Journalisten, die von den Kriegsparteien strikt kontrolliert werden. Andererseits wurde die Fotografie bereits während des Ersten Weltkrieges als Propagandainstrument genutzt.

Nach den Erfahrungen aus dem Zweiten Weltkrieg hatten sich deutsche Medien in diesem Bereich stark zurückgehalten, weshalb die Kriegsfotografie überwiegend von britischen und US-amerikanischen Fotografen geprägt wurde. Zu den bekanntesten Fotos aus diesem Genre gehören etwa die Bilder von der Landung in der Normandie, die Robert Capas gemacht hatte. Aber auch Eddie Adams erreichte mit einem Bild von der Hinrichtung eines Vietcong weltweite Bekanntheit.

 

Der Fotojournalismus im Boulevardjournalismus

Fotoreporter haben Prominente seit jeher teilweise auch gegen ihren Willen fotografiert, der Begriff „papparazzo“ für diese Art der Bildberichterstattung wurde allerdings erst durch den Film „La dolce vita“ von Frederico Fellini geprägt. Möglich wurde das überhaupt erst durch die Tatsache, dass die Kameras immer kleiner und die Objektive immer lichtstärker wurden, wodurch das heimliche Fotografieren erheblich erleichtert wurde.

Allerdings ist das Verhältnis zwischen Prominenten und Boulevardjournalisten eher zwiespältig aufzufassen: Oft setzen sich die Prominenten auch handgreiflich zur Wehr, wenn sie sich in ihrer Privatsphäre verletzt fühlen, andererseits brauchen sie die Paparazzi aber auch, damit sie in der Öffentlichkeit überhaupt wahrgenommen werden. Häufig führt dieser gegenseitige Nutzen dazu, dass Inszenierungen abgesprochen werden, von welcher beide Seiten profitieren. Damit die Bilder authentischer wirken, nutzen einige Paparazzi sogar bewusst technische Mängel wie eine mangelhafte Bildkomposition oder Unschärfe.

Der Ruf der Paparazzi ist in der Öffentlichkeit eher zweifelhaft. Der Grund: Den Fotografen, die Prinzessin Diana verfolgt hatten, wurde die Hauptschuld an deren Verkehrstod gegeben – auch wenn sie zuvor stark von der Arbeit der Paparazzi profitiert hatte.

 

Natur- und Wissenschaftsfotografie

Lennart Nilsson, ein schwedischer Fotograf, gilt als einer der wichtigsten Vertreter der modernen Wissenschaftsfotografie. Er hatte unter anderem eine Fotoreportage namens „Drama of Life before Birth“ für das US-amerikanische Life Magazine gemacht, die teilweise mittels Endoskopen, die eigens für diesen Zweck entwickelt wurden, entstand. In dieser Bildstrecke dokumentierte Nilsson das Entstehen eines menschlichen Embryos im Mutterleib. Diese Ausgabe des Magazins erschien am 30. August 1965 und war binnen weniger Tage ausverkauft, 15 Jahre nach der Veröffentlichung erhielt Nilsson dafür den Hasselblad Award, eine der bedeutendsten Auszeichnungen in der Fotografie.

Zwar gehört die Wissenschafts- und Naturfotografie eher zu den Randgebieten des Fotojournalismus, jedoch erfreuen sich Makro- und Tieraufnahmen größter Beliebtheit, auch weil sie massenhaft im Internet verbreitet werden. Wichtige Medien, in welchen Fotojournalisten entsprechende Aufnahmen veröffentlichen können, sind Bild der Wissenschaft, Geo, Nature sowie National Geographic.

 

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