Entwicklung des Fotojournalismus

Die Wurzeln des Fotojournalismus liegen im ausgehenden 19. Jahrhundert, als es technisch möglich war, Fotos uneingeschränkt in Magazinen und Zeitungen abzudrucken. Weltgeschichtliche Ereignisse wurden jedoch schon in den Jahren zuvor fotografisch dokumentiert. So gilt eine Aufnahme von Hermann Biows als erstes journalistisches Foto: Er hatte bildhaft festgehalten, welche Zerstörungen der große Brand in Hamburg im Jahre 1842 im Bereich der Kleinen Alster verursacht hatte. Weil diese Fotos aber nicht in Zeitungen reproduziert werden konnten, wurden sie als Vorlage für Kupfer- oder Holzstiche verwendet, die als Illustrationen für den Text genutzt wurden.

Weil in jenen Jahren noch keine handlichen Kameras existierten, waren die Arbeitsbedingungen für Reportagefotografen äußerst schwierig. Der Brite Roger Fenton beispielsweise bereiste Kriegsgebiete mitsamt einem rollenden Fotolabor. Damals war das Kollodium-Verfahren üblich, bei dem ein Foto über eine fotografische Platte erzeugt wird. Für dieses Verfahren war aber eine aufwändige Beschichtung, die Belichtung sowie die Entwicklung der Glasplatten vor Ort notwendig. Zudem musste der Fotograf für ein gutes Foto wegen der niedrigen Empfindlichkeit lange Belichtungszeiten in Kauf nehmen. Somit konnten bewegliche Objekte nicht fotografisch festgehalten werden.

Die erste umfangreiche fotografische Dokumentation wurde während des amerikanischen Bürgerkrieges, der von 1861 bis 1865 wütete, erstellt. So waren etwa 400 Fotografen allein bei der Armee der Nordstaaten akkreditiert, welche den Verlauf des Krieges festhielten. Für diesen Zweck hatte beispielsweise der Fotograf Mathew Brady über 20 Mitarbeiter auf seine eigenen Kosten ins Kriegsgebiet geschickt, was ihn finanziell ruinierte.

 

Die mobile Bildberichterstattung wird durch neue Technologien einfacher

Nachdem Richard Leach Maddox, ein englischer Arzt und Amateurfotograf das sogenannte Trockene Gelatineverfahren eingeführt hatte, welches sieben Jahre später durch Charles Bennet verbessert wurde, war die mobile Fotografie deutlich einfacher geworden. Die trockenen Gelatineplatten hatten den Vorteil, dass sie wesentlich haltbarer waren, weshalb sie einfacher transportiert werden konnten. Weil diese Platten zudem lichtempfindlicher waren, konnte auch mit kürzeren Belichtungszeiten gearbeitet werden.

Auch der Rollfilm, welcher ab 1889 in der Kodak Nr. 1 verwendet wurde, stellte eine technische Revolution dar. Dadurch wurde die Fotografie auch für den Massenmarkt interessant, weil Kodak als zusätzlichen Service einen Entwicklungsdienst anbot. Dafür musste die Kamera nur eingeschickt werden und der Besitzer bekam neben den Negativen und den Aufnahmen auch die Kamera mit einem neuen Film zurück. Dank dieser Technologie konnte nun also auch jeder Laie fotografische Aufnahmen anfertigen.

Dank des sogenannten Halbtondruckverfahrens konnte die Zeitung Daily Graphic anno 1873 ein Foto direkt veröffentlichen, es sollte aber noch drei Jahrzehnte dauern, bis sich diese neue Technik flächendeckend in den Printmedien etablieren konnte. Fotografien lösten also die Stiche, welche nach der fotografischen Vorlage von Hand hergestellt wurden, erst Anfang des 20. Jahrhunderts ab. Ab 1904, als die Bildtelegrafie eingeführt wurde, konnten journalistische Fotos nun auch weltweit verbreitet werden.

 

Der Fotojournalismus erlebt eine Blütezeit

Mit seinen Aufnahmen, die er mit einer Ermanox-Kamera – teils investigativ – gemacht hatte, erregte der Pressefotograf Erich Salomon in den 1920er Jahren erhebliches Aufsehen. Aus diesen Aufnahmen entstand der 1931 veröffentlichte Bildband „Berühmte Zeitgenossen in unbewachten Augenblicken“. Der „König des Indiskreten“, wie ihn Aristide Briand, der damalige Außenminister Frankreichs, nannte, prägte den Stil und den Einfluss des Bildjournalismus wie kaum ein anderer Fotograf seiner Zeit.

Mitte der 1920er Jahre wurden auch die ersten Kleinbildkameras, wie etwa die legendäre Leica, eingeführt, was einen großen und weitreichenden Einfluss auf den Fotojournalismus haben sollte. Beispielsweise veröffentlichte Tempo, ein Boulevardblatt aus Berlin in den Jahren zwischen 1928 und 1933 dreimal „Bilder vom Tage“. Auch zahlreiche Bildagenturen wurden in den 1920ern gegründet. Als erfolgreichste galt die Agentur Keystone, die einen großen Mitarbeiterstab hatte, schnell arbeitete und zahlreiche Themen bediente. Beispielsweise konnten die Bilder von den Berliner Maifeiern im Jahr 1929, die um 10.30 Uhr aufgenommen wurden, noch am selben Abend in New York und London erscheinen.

 

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